„Hallo“, sagt man in Kanada

Braunes Gewässer. (Nein, ich spreche nicht von der AfD.)

Lange Autofahrt, erster Schultag, Dinner, Orientation day, Hausaufgaben, Shopping, Spirit day. Viel los in der ersten Schulwoche. Aber ich fange mal von vorne an: Am Montag ging es, nachdem wir Deniz abgeholt hatten in das neue Zuhause; Campbellton. In Moncton noch vorbei am sogenannten „chocolate river“ – ein Fluss der so schlammig ist, dass er eine braune Farbe hat und deswegen als Schokolade bezeichnet wird – nahmen wir die dreistündige Autofahrt auf uns. Die Autobahn hier, oder „Trans Canada“ wie sie Einheimischen nennen, sind zwar sehr lang und auch recht breit, verfügen dennoch nur von jeweils einer Spur. Zum Überholen fuhren wir also auf die Fahrbahn der Gegenseite. Häuser direkt an der Autobahn? Hier schon. Ich war erstaunt, dass das sicherheitstechnisch möglich ist, ein Haus direkt an so einer Straße zu bauen.

Um nach Campbellton zu kommen, mussten wir einige andere Ortschaften hinter uns liegen lassen. Besonders bei zwei Orten freute ich mich sehr. Bathurst und Dalhousie. Über Bratwurst hatten wir uns Zuhause in Deutschland immer lustig gemacht und Dalhousie klingt doch schon sehr nach unseren Nachbarort Bochum-Dalhausen. Aber dazu später mehr. In Campbellton angekommen, bezog ich mein neues Zimmer und richtete es soweit ein. Meine Familie hat ein kleines Haus, aber ich habe ein super Zimmer mit Meerblick und Sonnenaufgang! In der Galerie zeige ich euch mal ein paar Bilder von meinem Ausblick, der Autobahn mit Blick auf den Sugerloaf-Berg von Campbellton, den ersten Teil meines wirklich schönen Schulweg von meiner Straße und dem Abfahrtsschild von Bratwurst.


Tag 2 – Dienstag

Dienstag war dann der erste Schultag. Allerdings nicht wie in Deutschland, sondern erst einmal ein Tag zum Orientieren. Alle Schüler, die neu auf die Highschool kamen, wurden mit einem riesigen Applaus empfangen und wir haben eine Menge Kennenlernspiele gespielt. Am Mittwoch fing dann die Schule so richtig an. Schon komisch unter Applaus auf eine neue Schule zu kommen. Hier aber Alltag. 

Als Ausklang des Tages sind wir nach der Schule, bei wunderschönen Wetter runter zum Meer auf den Fischersteg und haben ein bisschen gequatscht. Wir, das sind Spanier, Zypern, Türken und Deutsche. Mittlerweile, es ist Sonntag, verstehe ich mich auch schon mit vielen Kanadiern sehr gut und wir verbringen die Pausen gemeinsam.


Mittwoch – leider kein Mettwoch

Am Mittwoch war dann der erste richtige Schultag. Hier in Kanada ist das Schulsystem völlig anders, als in Deutschland. Die Schüler haben ein Semester jeden Tag die selben fünf Fächer. Meine: World issues, also alles rund um die Welt; Biologie; Human Physiology, vergleichbar mit Anatomie (ich muss noch bis Montag 30 Knochen auswendig lernen); Englisch, wir lesen Lord of the flies; und Französisch language arts. Das ist das Französisch für die, die auch Zuhause Französisch reden. Bis Montag muss ich ein drei Minuten Audio über mein Lieblingsbuch vorbereiten. Die letzte Stunde ist dann immer für Fragen und sonstige Hilfe da. Die Schüler können in der Zeit Hausaufgaben machen, sich Hilfe holen oder einfach nach Hause gehen. 

Das hört sich jetzt vielleicht alles sehr viel an, macht aber dennoch tierischen Spaß.


Donnerstag

Diesen Donnerstagabend wurden wir von unserer Vor-Ort-Koordinatorin zum Essen bei Pizza Deleight eingeladen. Die italienische Pizza ist zwar erheblich besser, aber die amerikanische tut’s auch! 

Die kanadischen Supermärkte sind deutlich größer als in Deutschland. Ihre Auswahl beinhaltet zudem auch spezielle heimische Produkte. Wie zum Beispiel den Hummer aus New Brunswick. Aber das Beste: die große Auswahl an frischen Lebensmitteln, vor allem Fleisch!

funfact!

Die Leute hier begrüßen sich nicht mit „Hello“ oder „Bonjour“ sondern mit dem klassischen deutschen „Hallo“. Zwar mit französisch-englisch-amerikanischen Akzent, aber es ist ein eindeutiges Hallo. Moin!, habe ich auch mal ausprobiert, klappt aber noch nicht so ganz gut. Vielleicht wird das ja noch was.


Freitag in Deutschland

Freitag Abend war in Charlo, einem Ort 30 Minuten von hier entfernt ein großer Markt aus Zelten. Auf dem Weg dahin passierten wir Dalhousie (Bochum-Dalhausen) und danach sah ich oben auf dem Berg zwei Sender. Da musste ich schmunzeln. Neben meinem Ort, ein mir bekannte Name und noch zwei Sender, wie in Langenberg. Welcome home! Was für ein lustiger Zufall. Da fühle ich mich doch gleich noch wohler.

Da zusätzlich auch noch so tolles Wetter war, bin ich vorher etwas mit dem Fahrrad rumfahren. Die Bilder vom Leuchturm und Wetter, gleich in der Galerie:

Außerdem war Spiritday in der Schule. Alle sollten die Farben der Schule anziehen; weiß/blau oder grau/blau.


Wochenend und Sonnenschein

…mehr brauch ich nicht zum Glücklich sein. 

Doch Samstag war es gar nicht dufte: manche Städte erlitten schwere Verluste. Warum? Na, der Dorian. Ein Hurrikan wütete am atlantischen Ozean. Bei uns in Campbellton überhaupt kein Stress, kam – zum Glück – nur noch der Rest. Der Rest, das heißt dann Regen und heut‘ am Sonntag stärkerer Wind, doch stört mich nicht: ich bin ein Nordseekind!

samstag

Der Tag startete mit einem leckeren Pancake-Frühstück und nach dem Spülen ging es schließlich ans Housecleaning. Meine Familie mag es sauber. Deshalb versuchen sie jeden Samstag nach dem Frühstück allesamt das Haus zu reinigen, die Wäsche zu waschen und dabei zusammen Musik der 80’s und 90’s zu hören. Das klingt erstmal unerfreulich, geht aber, da – theoretisch – alle anpacken und das Haus klein ist, schnell. 

Am Abend waren wir dann bei Freunden zum Essen eingeladen. Schmeckte, aber noch cooler: sie hatten ein Haus komplett aus Baumstämmen. Öko, aber gemütlich!

sonntag

Heute am Sonntag haben wir nach dem Brunchen erst einmal gechillt, oder wie ich, meine Hausaufgaben gemacht. Danach fuhren wir rüber auf die Quebec-Seite. Campbellton ist nämlich Grenzstadt. New Brunswick ist die Provinz der Campbellton zugehört, fährt man aber über die oben schon gezeigte Brücke ist man in der französisch-sprachigen Provinz Quebec und hat somit auch eine Stunde früher auf seiner Uhr.  

Erst haben wir ein paar Äpfel von einem Apfelbaumfeld gepflückt und anschließend ging es in die 40 Minuten entfernte Stadt Carleton-sur-Mer. Eine schöne kleine Küstenstadt am Atlantik, wo wir auch zu Abend gegessen haben.

Jetzt ist es hier 22:20 Uhr und ich gehe zu Bett, auch wenn ich erst nach Sieben aufstehen muss, denn meine Schule beginnt erst um 8:30 Uhr. Mein Fazit der ersten Woche: viele tolle Eindrücke und viel tolles erlebt. – Apropos: über eure Kommentare habe ich mich sehr gefreut. Gerne dürft ihr auch dieses Mal wieder etwas schreiben und/oder fragen.

Bis demnächst,

Tarik.

5 Kommentare zu „„Hallo“, sagt man in Kanada

  1. „HALLO“ Tarik, mit großer Freude habe ich gerade deinen zweiten Blogeintrag gelesen. Schön, dass du dich nach einer Woche schon so gut eingelebt hast…und auch schon Freunde unter den Kanadiern gefunden hast �
    Auf deinen Ausblick vom Zimmer aus…bin ich schon etwas neidisch!!
    Toll, einfach nur toll…und Daumen hoch dafür.
    Die Auswahl im Supermarkt scheint ja riesig zu sein…behällt man da den Überblick noch? Oder ist es wie hier…wenn man zu Real geht, und plötzlich Sachen im Einkaufswagen hat…die man gar nicht kaufen wollte? 🙂
    Und gibt es in Kanada eigentlich so wie hier bei uns…eine Art „Hausmanskost“?
    Haha 🙂 da muss ich gerade an unsere Schlibberibkisuppe denken :-))) vielleicht solltest du sie mal für deine Gastfamilie kochen. 🙂
    Tarik, ich wünsche dir noch eine tolle Zeit. Und freue mich auf weitere Erlebnisse von dir…die ich hier lesen darf.
    LG aus dem unseligen und kaltem Essen
    Gaby :-*

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  2. Hi Tarik, lol about the best story of Bratwurst, Dahlhausen & Langenberger Sender! Cleaning all the rooms and washing the clothes every saturday seems to be a good routine. I think that we will continue it further on after your comeback to Germany.

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  3. Freuen uns über deinen Blog. Als wir hörten, der Sturm zieht Richtung Kanada, waren wir doch beunruhigt und hörten alle Nachrichten ab. Nun wissen wir dich gut aufgehoben und verabschieden uns mit einer festen Umarmung!

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  4. Hallo Tarik. Ich habe mich am Samstag sehr gefreut deine Stimme zu hören.Und erfahren das es dir sehr gut geht und in der Schule alles bestens ist .Deine neue Info habe ich gelesen und die schönen Bilder dazu super.So bekommt man einen schönen Überblick von der Umgebung und der Schule ganz lieben Dank und pass gut auf dich auf H D L Oma

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