Cubarona

Leider später als gedacht, kommt er jetzt endlich! – Der zweite Teil meiner Kubareise, in der ich nicht weniger als in der ersten Hälfte, meiner vierzehntägiger Reise erlebt habe. Lies weiter für meine Guburtstagsfeier auf kubanische Art und andere tolle Erlebnisse. Des Weiteren, wird Cubarona der letzte Blogeintrag sein, der von neuen Erlebnissen in meinem Austauschjahr, in Kanada berichtet – dazu aber in meinem nächsten Blogeintrag mehr. Du hast die Tage 1 – 8 noch nicht gelesen? Dann klicke direkt HIER!


Tag 9 – doppelt und dreifach hält besser

Nach der vielen Eiscreme in der Stadt, die den Samstag als ausflugsfreien Tag erkennt, blieben wir Montag wieder in der Umgebung Manatis. Da es mir den vergangenden Dienstag so gut gefliel, fragte ich Anthony, ob wir nicht nochmal zu der blauen Lagune fahren sollten. Er bejate und da ich herausfinden wollte, wie schnell ich alleine mit dem Fahrrad bin, fuhr ich vor und er wollte nachkommen. 23 Minuten brauchte ich alleine für die Strecke, die wir in der vorherigen Woche in knapp eineinhalb Stunden zurückgelegt hatten. Die restlichen Minuten, die ich auf Anthony wartete, nutzte ich, um noch etwas mit meiner Kamera rumzuspielen. Ich wartete und die Zeit verging. Als er nach 45 Minuten immernoch nicht auftauchte, fing ich an mir doch Sorgen zu machen und so entschloss ich, ihm entgegen zu radeln. Unglücklicher Weise kam Anthony genau dann an, als ich zurück fuhr und da er um die andere Seite des Felsens fuhr, verpassten wir uns um wenige Sekunden. Ohne Handy oder anderen mobilen Geräten, konnte ich dies allerdings nicht herausfinden und fuhr so vergeblich die Strecke komplett zurück. Im Hause angekommen, war dort nur seine Großmutter zu finden und die Unruhe in mir stieg immer mehr. Ich entschied mich auf Nummer sicher zu gehen und raste die acht Kilometer noch einmal zurück. An der Lagune fragte ich schließlich einen Mann, ob er einen Jungen mit einem roten Fahrrad gesehen hätte und da er einen sah, zeigte er mir die Richtung, in die Anthony gefahren war. Lange Geschichte mit Happy End – Unglücklicherweise verpassten wir uns, waren jedoch froh, als wir uns wieder fanden. (Ich will mir gar nicht vorstellen, welch eine Situation es gewesen wäre, hätte ich ihn nicht mehr gefunden!!!)


tag 10 – Was nun?

Unvorteilhafter Weise holte ich mir bei einer meiner Fahrten zur Lagune einen Platten, den ich zwar erst nicht bemerkte, der aber am nächsten Tag zum Vorschein kam. Natürlich gibt es in Kuba nicht einfach einen guten Fahrradladen, geschweige denn einen Selbstbezahl-Automaten, indem man sich einen neuen Schlauch ziehen kann. Pepe, der Freund, von dem ich bereits erzählte, kannte allerdings ein paar Menschen, die Fahrräder reparieren konnten und so gingen er und ich gemeinsam zu einem Mann, der zwar auch keinen neuen Schlauch, dafür aber ein kleines Bisschen Flickmaterial hatte, mit dem er den Reifen wieder fahrtauglich machen konnte. Nachdem alles geregelt war und wir wieder Heim kamen, spileten Anthony, Pepe und ich noch ein paar Runden Domino.


so habe ich gewohnt…

Sicherlich fragen sich viele von euch, wie denn so ein typisch kubanisches Haus aussieht und wo ich die zwei Wochen gelebt habe. Hier ein Eindruck:

Das ist das Haus. Von außen, wie ein kleines nettes Bungalow, von innen jedoch ganz anders. Erstens, gibt es keine „echten“ Zimmer. Zwar sind die Räume mit Betonmauern abgegrenzt, jedoch reichen die Wände nicht bis zur Decke. Außerdem besitzen die meisten Häuser in Kuba innen keine Türen mehr, da diese schlicht und ergreifend, entweder zu teuer oder einfach nicht vorhanden sind. Die meisten Türen werden also durch Vorhänge ersetzt. Wenn nicht genügend Geld für Türen oder deckenhohe Wände vorhanden ist, kann man sich vorstellen, dass es auch keine Fenster gibt. So haben die kubanischen Wohnhäuser meistens nur viele kleine Klappen, die sie über den Tag aufmachen können, um Licht und Luft reinzulassen. Auch die Decken sind anders, als bei uns. Sie haben keinen top-ausgebauten Dachstuhl, sondern lediglich zwei große Blechbretter, die in der Mitte von wenigen Stäben (oder in gut ausgestatteten Hüsern, einer höheren Betonwand) gehalten werden. Die Innenausstattung ist zusätzlich auch eher prakmatisch als individuell gemütlich. Es gibt keine Tapeten oder laminierte Böden, alles ist normalerweise nackter Beton. Ich schreibe normalerweise, denn die Großeltern von Anthony haben durch ihre beiden Kinder, die in Kanada und Deutschland leben, etwas mehr Geld bekommen, um zumindestens Fliesen zu legen.

„Was soll denn dieser Eimer?“ und „Warum sollte dieses Bild interessant sein?“ sind wahrscheinlich die ersten Fragen, die ihr euch stellt, wenn ihr dieses Bild seht. Doch diese beiden Pötte waren für zwei Wochen in meinem täglichen Gebrauch und auch Abuelo und Abuela benutzen die Eimer schon seit Jahren, jeden Tag. Sie sind die Dusche des Hauses. Da es weder fließendes Wasser, das genügend Druck hat den Duschkopf hochzukommen, noch warmes Wasser gibt, bleibt keine andere Möglichkeit, als kaltes Wasser aus dem niedrigen Hahn in den Eimer zusammen mit vom Herd gekochten Wasser zusammen zu mischen. Hat das Wasser die gewünschte Temperatur erreicht, nimmt man den kleinen Becher, den man im hinteren Eimer leicht erkennt und kippt sich das Wasser über den Kopf. Hört sich erstmal alles mega kompliziert und unkonfortabel an, ist aber eigentlich gar nicht so schlimm.

Wie in vielen ärmeren Ländern, gehört auch in Kuba kein Toilettenpapier in die Toilette. Da die meisten Häuser jedoch auch nicht genügend Druck für die Dusche haben, bleibt die Spühlung trocken. Um trotzdem abspülen zu können, mussten wir vorher einen Eimer halbvoll mit Wasser laufen lassen und diesen dann mit genügend Schwung in die Toilette gießen. Eine Erfahrung, die man erstmal machen muss, um zu merken, unter welchen Umständen manche Leute wirklich leben müssen.

Nicht nur in Deutschland herrscht zur Zeit Tiolettenpapier-Not, auch in Kuba gab es kein Toilettenpapier mehr zu kaufen. Dort aber nicht ausgelößt durch Hamsterkäufe, die sich die Kubaner nämlich gar nicht leisten können, sondern weil es ganz einfach nicht genügend Toilettenpapier vorhanden ist, da der Staat nicht außreichend in Produktion gibt. Die Einheimischen haben in Kuba außerdem auch keine Chance in Hysterie auszubrechen, da es ihnen, sowie ja auch uns, nicht weiterhilft. Stattdessen kauften wir Servietten, als Toilettenpapierersatz.

Die Lektion: Hamsterkäufe sind Luxus, Toilettenpapier nicht lebensnotwendig.

Im Bezug auf die hiesigen Toilettenpapierjäger. (Gilt auch für Nudeln und sonstige Waaren!)

Tag 11 – 17 Jahr, blondes haar

Mitternacht: starker Regen. „Bleibt es jetzt den ganzen Tag so? Regen an meinem Geburtstag? Naja, erstmal einschlafen.“ Das, oder so ähnlich dachte ich mir, als es genau zum Tageswechsel laut auf die Blechplatten, über meinem Kopf prasselte. Es war nicht kalt, aber ich wollte doch schon einen sonnigen Geburtstag haben. Ich legte mich also zur Ruhe und versuchte noch ein paar Stunden Schlaf zu finden. Mein Wecker klingelte um 3:00 Uhr morgens. Da wir kein Brot mehr hatten, sollten wir neues kaufen. Ich zog mich also an und fuhr zur Panderia. Angekommen sah ich, dass alle Lichter aus waren. „Bekommen wir jetzt gar kein Brot zum Frühstück?“ Da fiel mir ein, dass ich bei meiner letzten Radtour eine andere Bäckerei gesichtet hatte und fuhr kurzerhand dort hin. Glücklicherweise war diese auch geöffnet, der Brotbäcker teilte mir jedoch mit, dass es kein Brot vor Sieben Uhr gäbe. Ich fuhr also wieder Heim und ruhte mich noch ein wenig aus, bevor es schon wieder los ging.

Für meine Geburtstagsfeier brauchten wir noch ein paar Sachen und so gingen Anthony und ich am Vormittag in das Stadtinnere, wo wir uns in die lange Schlange vor dem Einkaufsladen stellten. Durch meinen eher hellen Hautton und den blonden Haaren, war natürlich klar, dass wir Touristen sind und keine Einheimischen. So kam es, dass eine Frau, die vor uns stand, mit uns anfing zu reden. Sie erzählte uns, sie sei Englisch-Lehrerin und sie würde gerne mit uns in Englisch sprechen. Nichts leichteres als das, erzählten wir von unserem und sie von ihrem Leben. Nach einer Weile wollte sie wissen, wer denn Anthonys Eltern seien, da er ja schließlich wie ein Kubaner aussah. Wir dachten uns nichts dabei und erzählten ihr von Maikel und Rachel. Wie aus dem Nichts find die Frau auf einmal an laut-feiernd zu jubeln und mit Tränen in den Augen erzählte sie, dass Maikel ihr Cousin sei und somit Anthony ihr Großcousin ist. Ich habe noch nie jemanden beim Herausfinden eines Verwandten so glücklich gesehen!

Als wir wieder Zuhause ankamen, erzählten wir die Geschichte und staunten darüber, wie klein doch die Welt sei! Am frühen Nachmittag kamen schon die ersten Freunde, die Abuela halfen den Nudelsalat für die Gäste vorzubereiten. Die Freundin, die kam, hatte auch noch zwei kleine Jungs, mit denen wir Eisessen fuhren. In Kuba hat jedoch nicht jeder ein Fahrrad und so werden meistens die Freundinnen oder kleinen Kinder einfach auf das Fahrradgestell gesetzt. Sieht selbst!

Zum Abend hin, trudelten immer mehr Leute ins Haus und wir feierten meinen Geburtstag. Es gab Kuchen, Brot und Nudelsalat. Wir spielten Domino, quatschten, machten Fotos und tanzten klassisch lateinamerikanische Tänze, wie Salsa, Reggaeton, Samba und Cha-Cha-Cha. In der Galerie findet ihr einige Bilder von der Feier:


tag 12 – Der tote hafen

Der langen Feier am Vorabend geschuldet, fuhren wir erst gegen Mittag zu unserer nächsten Destination: Puerto Manati. In der Sommersaison ist hier normalerweise alles sehr voll und die Einheimischen verbringen die Tage an diesem Hafen und dem kleinen Sandstrand. Der März ist allerdings noch keine Ferienzeit und dementsprechend war es dort auch toten Stille. Ich fand es trotzdem sehr schön, da dies wieder mal eine ganz andere Seite der Insel darstellte.

Ein rauer, verlassener Ort, der sich nach dem hektischen Leben von früher sehnt.

Impressionen, die von diesem Tag prägen

Am frühen Nachmittag kehrten wir zurück, da der Wind nun doch noch etwas auffrischte und sich eine dunkle Wolke näherte. Zurück in Manati, das Wetter wieder besser, entschied ich mich ein paar Fotos von der Stadt zu schießen und machte mich mit dem Fahrrad auf den Weg. Manati hat im Sommer ein Freibad, dass in den Ferien geöffnet wird. Es liegt hinter den Schienen, ist jedoch mit Zäunen versperrt. Ich bin hin, um ein Foto zu machen, als auf einmal ein Mann rief, was ich da machen würde. Ich schnappte mir also mein Fahrrad und wollte so schnell wie möglich weg. Doch er war schneller und fragte mich noch einmal. Ich sagte ihm, dass ich eigentlich nur ein Foto machen wollte, jedoch nicht wusste, dass ich das Grundstück nicht betreten darf. Er verstand und teilte mir mit, dass er im Sommer hier arbeite und mir sogar die Tür öffnen kann. „Was ein Glück, er will doch nichts Böses von mir.“ Jetzt musste ich nichtmal mehr über den Zaun hinweg fotografieren.


Tag 13 – Campismo Cerro de Caisimú

Der vorletzte richtige Aufenthaltstag sollte doch noch etwas Luxus mit sich bringen. Wir fuhren zu einer Hotelanlage, wo viele Kubaner aus anderen Regionen, aber vor allem Touristen im Sommer hinkommen, um die Aussicht zu genießen. Wir hatten Glück und die Anlage war trotz keiner Saison offen und wir konnten rein. Die Bars und Restaurants waren zwar zu, dennoch hatten wir die Möglichkeit in den Pool zu gehen und die Aussicht zu genießen.

Im Anschluss fuhren wir zurück über eine Farm von Freunden. Echt wunderschön, deren Gebiet und als der Mann des Hauses zurück kam, durfte ich sogar auf dem Pferd reiten. Dieses wollte aber zu Beginn nicht und so dauerte es bestimmt fast zehn Minuten bis es sich endlich in Bewegung setzte. Das Lustige: Am Morgen hatte ich mir innerlich gewünscht, hier in Kuba mal zu reiten. Es sah so lässig und cool aus. Und als ob Gott diesen Wunsch erhörte, durfte ich schon ein paar Stunden später auf einem Pferd sitzen!


Tag 14 – Las tunas

Die nächst größere Stadt von Manati und auch die Hauptstadt der Provinz ist Las Tunas. Eigentlich wollten wir alle vier dort hinfahren, doch leider ging es Anthony nicht so gut, weshalb er und Abuela im Haus blieben. Abuelo und ich fuhren jedoch mit dem Taxi in die Stadt und besuchten ein Museum der Geschichte von Kuba, sowie ein Haus in dem die physikalische Schwerkraft erklärt wurde. Auch in Las Tunas war der Schutz vor dem Coronavirus angekommen. Ein paar trugen Masken und vor jedem Gebäude, in das man reinwollte, musste man sich die Hände desinfizieren. Alles aber halb so wild, denn es hat sich gelohnt! Das Eis in dem Cafe, war zum Beispiel sehr lecker!

Es war total spannend zu sehen, wie der Tummel in so einer „kubanischen Großstadt“ ist. Die alten Autos, LKW und Busse fahren zwar kreuz und quer, dennoch ist das Leben entspannt genug, um mit einer Pferdekutsche zu fahren oder die Straße zu überqueren.


tag 14 – Danke

Jeder Urlaub und jede Erfahrung hat irgendwann ein Ende. So auch diese Kubareise. Es war eine wunderschöne unvergessliche Zeit, die mir auch noch heute etwas mehr als vier Wochen später positiv in Erinnerung ist. Ich durfte neue Menschen, eine neue Kultur und einen völlig anderen Lebensstil kennenlernen. Es war eine Zeit, die man nicht so schnell vergisst. Ich bin dankbar, dass ich diese unglaublich tolle Möglichkeit hatte und auch dankbar für die tolle Familie, die ich jetzt meine zweite nennen darf. Mir ist klar geworden, dass es immer leicht zu behaupten ist, auf etwas verzichten zu müssen, wenn man in Reichtum und manchmal sogar Überfluss lebt. Ist das Leben jedoch schwerer zu leben, aber einfacher gehalten, setzt man sich ganz andere Maßstäbe. Ich nehme mir von dieser Reise mit, dass ich erstmal überlege, was manche Dinge für andere vielleicht bedeuten, bevor ich Bedingungen stelle oder anderen etwas vorschreibe. Wir brauchen uns nicht schlecht fühlen, weil wir in einem reichen Land wohnen. Nein, wir sollten das Menschenleben viel mehr respektieren! Erkennen, dass wir alle eine Rasse sind: Homo sapiens. Wissen, dass wir meckern können, aber nicht müssen. An unseren Nächsten denken und einfach mal DANKBAR sein!

Ich bin DANKBAR für die Momente, die ich hätte nie vorhersehen, geschweige denn planen können. Manchmal gehört einfach etwas Glück oder Vertrauen in GOTT im Leben dazu.

Wofür bist du dankbar? (Schreib’s in die Kommentare!)

LÖSUNG AUS DEM LETZTEN BLOG

Was glaubt ihr, was ist Kubas beliebtestes Gesellschaftsspiel?

a) Mühle

b) Domino

c) MauMau

d) Mikado

Hast du richtig getippt?


Das waren jetzt also meine zwei Wochen Kuba. Ich hoffe, euch hat auch der zweite Teil gut gefallen!
Wie fandet ihr meinen Instagram Livestream vor gut drei Wochen? Schreibt mir doch gerne einen Kommentar und hinterlasst mir Fragen und Anmerkungen!

Ich wünsche euch weiterhin eine gute Zeit und bis demnächst,

Ein Kommentar zu “Cubarona

  1. Hello Tarik,
    although we have been talking on the phone a lot since you returned from Cuba (you had time in Canada 😉), I’m totally amazed at what you have to say about the Caribbean.
    In some places, this blog entry is even more touching than the first entry. It is nice to read how you connect your experiences with your thoughts to new views about life and people.

    Gratitude, humility and respect are virtues that you have to keep your whole life!

    As a parent, I am grateful that you have drawn such insights from this trip. And we are grateful that you share your thoughts with us and many other people. I am sure that your grandparents are particularly grateful too for this.

    Unfortunately, I was wrong with your prediction game (Domino). But that had happened to me in Cuba at the time. Nevertheless, I was able to win the Cuba Challenge confidently 😂😂❗

    Like

Hinterlasse einen Kommentar